Wirtschaftlichkeit

Ist das Geothermie- und Fernwärmeprojekt in Neuhofen wirtschaftlich?

Kurz zusammengefasst

Bei der geplanten Tiefengeothermie in Neuhofen geht es nicht nur um Technik. Entscheidend ist auch, ob das Projekt langfristig wirtschaftlich funktioniert.

Ein zentrales Risiko ist das sogenannte Fündigkeitsrisiko. Erst nach den Bohrungen zeigt sich sicher, ob in der Tiefe tatsächlich genügend heißes Wasser in ausreichender Menge vorhanden ist. Wird weniger Wärme gefunden als erwartet, kann sich die gesamte Wirtschaftlichkeit verändern.

Zusätzlich stellen sich Fragen zum geplanten Fernwärmenetz. In Neuhofen besteht bisher kein solches Netz. Der Aufbau kostet viel Geld und lohnt sich wirtschaftlich vor allem dann, wenn ausreichend viele Haushalte angeschlossen werden und dauerhaft Wärme beziehen.

Für viele Bürger ist deshalb wichtig: Welche Annahmen liegen den Berechnungen zugrunde? Wer trägt mögliche Risiken? Und welche Folgen hätte das für Anschlusskosten, Grundpreise und spätere Wärmepreise? 

Worum geht es?

Die Wirtschaftlichkeit eines Geothermieprojekts hängt entscheidend davon ab, ob aus der Tiefe tatsächlich genügend heißes Wasser in ausreichender Menge gefördert werden kann.

Genau hierin liegt das sogenannte Fündigkeitsrisiko. Erst nach den Bohrungen kann mit Sicherheit festgestellt werden, welche Temperatur, Fördermenge und Wasserbeschaffenheit tatsächlich vorliegen.

Bereits kleine Abweichungen von den ursprünglichen Erwartungen können erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben. Wird weniger Wärme gefördert als geplant oder ist die Temperatur des Tiefenwassers niedriger als erwartet, sinkt die nutzbare Energiemenge. Die ursprünglich kalkulierten Erlöse und die Wirtschaftlichkeit des Projekts müssen dann neu bewertet werden.

Wichtig ist also die Frage, welche Folgen eintreten würden, wenn die ursprünglichen Ziele verfehlt werden.

Denn eine nicht oder nur teilweise erfolgreiche Bohrung hätte nicht nur technische Folgen. Auch erhebliche Investitionen könnten verloren gehen. Die Kosten für Planung, Genehmigung, Bohrungen und Infrastruktur entstehen bereits lange bevor feststeht, ob die erwarteten Ergebnisse tatsächlich erreicht werden. Sollte das Projekt die Erwartungen nicht erfüllen, könnte je nach Gegebenheiten das Geschäftsfeld erweitert werden, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. In anderen Anlagen wurde dies durch den zusätzlichen Abbau von Lithium versucht. Bleibt der wirtschaftliche Erfolg dennoch aus, kann ein Scheitern des Projekts bis hin zur Insolvenz der beteiligten Unternehmen führen. Unklar bleibt dann, wer die Kosten für einen Rückbau der Anlagen übernimmt.
In jedem Fall wäre nicht nur Geld investiert worden. Auch wertvolle Zeit für alternative Lösungen könnte verloren gegangen sein.

Auf Nachfragen wird häufig darauf verwiesen, dass nicht die Gewinnmaximierung, sondern eine möglichst preiswerte und klimafreundliche Wärmeversorgung für die Region im Vordergrund stehe. Gleichzeitig werden mögliche Einnahmen für die Ortsgemeinde Neuhofen aus dem Betrieb der Geothermieanlage, dem Fernwärmenetz und der Gewerbesteuer genannt.

Für viele Bürger ergibt sich daraus die Frage, wie die wirtschaftlichen Grundlagen des Projekts konkret aussehen und wie sich die langfristige Tragfähigkeit berechnet.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem geplanten Fernwärmenetz. In Neuhofen existiert bislang kein Fernwärmenetz. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur erfordert erhebliche Investitionen in Leitungen, Hausanschlüsse und technische Anlagen. Die Wirtschaftlichkeit hängt deshalb unter anderem davon ab, wie viele Haushalte und Gebäude tatsächlich angeschlossen werden und dauerhaft Wärme beziehen.

Daraus ergeben sich verschiedene Fragen:

  • Welche Anschlussquote wird für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigt?
  • Wie werden die Investitions- und Erschließungskosten finanziert?
  • Welche Annahmen liegen den Wirtschaftlichkeitsberechnungen zugrunde?
  • Welche Auswirkungen hätten geringere Anschlusszahlen als geplant?

Für viele Bürger steht daher weniger die technische Machbarkeit im Mittelpunkt als die Frage, ob das Projekt langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann und welche Auswirkungen dies auf zukünftige Wärmepreise, kommunale Einnahmen und die finanzielle Belastung der angeschlossenen Haushalte haben könnte.

Interview mit einer betroffenen Bürgerin

Frage: Frau Kiefel, wenn Sie auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts schauen – was ist für Sie der wichtigste Punkt?

Für mich ist der Knackpunkt folgender: Man weiß erst nach der Bohrung wirklich, welche Temperatur in der Tiefe vorliegt, welche Wassermenge gefördert werden kann und ob das alles zu den Berechnungen passt. Vorher kann man viel planen, aber am Ende entscheidet die Realität im Untergrund.

Frage: Was bedeutet das konkret?

Wenn die Werte schlechter sind als erwartet, ist ja nicht einfach nur eine Zahl falsch. Dann kann die ganze Wirtschaftlichkeitsrechnung kippen. Die Bohrung ist dann aber schon bezahlt. Die Flächen sind vorbereitet. Infrastruktur wurde gebaut oder zumindest geplant. Und dann stellt sich die Frage: Wer trägt diesen Verlust?

Frage: Sie wirken nicht grundsätzlich gegen Geothermie eingestellt.

Nein, darum geht es mir nicht. Ich finde es richtig, über klimafreundliche Wärme nachzudenken. Aber gerade weil das Thema so wichtig ist, muss man sauber rechnen. Ich möchte nicht nur hören: „Das wird schon funktionieren.“ Ich möchte wissen, welche Annahmen dahinterstehen und was passiert, wenn es eben nicht so läuft wie geplant.

Frage: Welche Rolle spielt für Sie das Fernwärmenetz?

Eine sehr große. In Neuhofen gibt es bisher kein Fernwärmenetz. Das muss erst aufgebaut werden und kostet viel Geld.
Was mich dabei beschäftigt: Die Wärme soll nach meinem Verständnis zunächst vor allem nach Speyer geliefert werden. Dafür braucht es zusätzliche Leitungen. Danach wird über weitere Ausbaustufen gesprochen, unter anderem in Schifferstadt, wo es ebenfalls noch kein Fernwärmenetz gibt. Und erst später soll auch Neuhofen angeschlossen werden.
Da frage ich mich schon, wie die gesamte Rechnung aussieht. Wie viele Haushalte müssen am Ende mitmachen, damit sich das alles wirtschaftlich trägt? Und wie groß ist die Bereitschaft in Schifferstadt und Neuhofen überhaupt, sich an ein neues Fernwärmenetz anschließen zu lassen? Für mich sind das wichtige Fragen für die langfristige Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Frage: Haben Sie Sorge vor steigenden Kosten?

Ja, natürlich. Am Anfang klingt vieles gut: regionale Wärme, klimafreundlich, bezahlbar. Aber am Ende schauen die Leute auf ihre Rechnung. Wenn hohe Investitionen wieder hereingeholt werden müssen, kann das über Anschlusskosten, Grundpreise oder Wärmepreise passieren. Genau das muss vorher offen erklärt werden.

Frage: Was stört Sie an der bisherigen Diskussion?

Mir fehlt oft die Verbindung zwischen großen Versprechen und konkreten Zahlen. Einerseits heißt es, es gehe nicht um Gewinnmaximierung. Andererseits werden mögliche Einnahmen für die Gemeinde erwähnt. Beides kann man ja erklären. Aber dann bitte nachvollziehbar: Welche Einnahmen werden erwartet? Unter welchen Voraussetzungen? Und was heißt das für die Bürger?

Frage: Was wäre aus Ihrer Sicht ein fairer Umgang mit den offenen Fragen?

Ich würde mir wünschen, dass man verschiedene Szenarien offenlegt. Also nicht nur den Idealfall, sondern auch den Fall, dass weniger Wärme kommt, sich weniger Haushalte anschließen lassen oder die Kosten steigen. Dann können die Bürger besser einschätzen, worauf sie sich einlassen.

Frage: Was bleibt für Sie am Ende die zentrale Frage?

Ob das Projekt langfristig wirklich trägt. Nicht nur technisch, sondern wirtschaftlich. Und ob die Risiken am Ende fair verteilt sind. Denn wenn etwas schiefläuft, sind es meistens die Bürger, die mit den Folgen leben müssen – über Kosten, über verlorene Zeit oder über Veränderungen im Ort.

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