Was in Neuhofen geplant ist
Projekt „Rhein-Pfalz“
Im schönen Neuhofen, direkt im Naherholungsgebiet Schlicht, soll im Landschaftsschutzgebiet "Pfälzische Rheinauen" eine Tiefengeothermie-Anlage gebaut werden. Nachdem sich die Ortsgemeinde Waldsee erfolgreich dagegen gewehrt hat, soll das Kraftwerk nun bei uns errichtet werden, mit enormen potentiellen Risiken für Anwohner, Hauseigentümer und die Natur.
Die Betreibergesellschaft Geopfalz hat einen favorisierten Bohrplatz. Es wurden bereits gemeindeeigene Grundstücke an die Gesellschaft REN AöR übertragen, die diese in das Projekt einbringen soll.
Vermeintlich bezahlbare Wärme für Neuhofen ...
Melanie Hieb, stellvertretende Vorsitzende der REN AÖR erklärte gegenüber der Rheinpfalz, dass Neuhofen weder Anschluss an ein Fernwärmenetz noch entsprechende Leitungen zu den Häusern habe. Ohne diese Infrastruktur könne Neuhofen nicht von Tiefengeothermie profitieren.
Neuhofen hat kein Wärmenetz. Im Zielszenario, welches am 09.12.2025 in der Ortsgemeinderatssitzung vorgestellt wurde, ist ausdrücklich nur der Kern Neuhofens (etwa ein Fünftel der bebauten Fläche) als Wärmenetzgebiet vorgesehen und das auch nur bei einer geplanten Anschlussquote von 60 Prozent! Der Großteil Neuhofens gilt weiterhin als Einzelversorgungsgebiet!

Karte: Open Streetmap, Daten aus Ortgemeinderatssitzung vom 09.12.2025
Soll Fernwärme künftig überhaupt eine Rolle spielen, müssten Straßen geöffnet und neue Leitungen verlegt werden. Das wäre ein Infrastrukturprojekt mit hohen Kosten. Wie dies in unserer hochverschuldeten Gemeinde finanziert werden soll, ist bisher nicht öffentlich nachvollziehbar dargestellt worden. Der Ortsbürgermeister, Herr Marohn, betont zwar immer wieder Transparenz, belastbare Zahlen zu Finanzierung und Wirtschaftlichkeit liegen bislang allerdings nicht vor. Auch die entsprechenden Fragen aus dem offenen Brief vom 01.06.2026 blieben unbeantwortet.
In einem „Wärmefragebogen“, der zuerst im Amtsblatt vom 19. Juni 2026 veröffentlicht wurde, wird gefragt, ob ein Anschluss für Bürgerinnen und Bürger interessant wäre, wenn dieser innerhalb der nächsten sechs Jahre erfolgen könnte und die angebotenen Wärmepreise etwa 15 Prozent unter den Marktpreisen lägen.
Wie soll innerhalb von sechs Jahren ein Wärmenetz finanziert werden, wenn man die Energie billiger als der Markt anbietet? Und woher kommen die angekündigten bedeutsamen Einnahmen aus Gewerbesteuer, wenn man vorgibt, keine Gewinnmaximierungsabsicht zu haben? Und weshalb befragt man alle Bürger des Ortes, wenn die meisten ohnehin nicht für einen Anschluss vorgesehen sind?
Besonders bemerkenswert: Nach den bisherigen Auskünften sollen konkrete Wärmepreise und Anschlusskosten offenbar erst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeitet werden. Ergebnisse werden möglicherweise erst 2027 vorliegen.
Damit wird heute bereits mit günstiger Wärme geworben, obwohl ihr tatsächlicher Preis noch gar nicht feststeht.
Normalerweise klärt man bei einem solchen Projekt zuerst die erforderlichen Aufwände und berechnet für diese die Kosten. Daraus ergibt sich ein Mindestpreis, den man für seine Leistungen erzielen muss. In Abhängigkeit von der Zahl der potentiellen Abnehmer ergibt sich dann, ob das Projekt wirtschaftlich betrieben werden kann.
Keiner dieser Werte ist zu dem geplanten Kraftwerk bislang öffentlich bekannt.
Da ohnehin nur in einem kleinen Teil des Ortes ein Wärmenetz realisiert werden soll, drängt sich die Frage auf:
Was rechtfertigt die hohen Risiken eines Tiefengeothermie-Kraftwerks?
Oder geht es tatsächlich um Lithium?
Bei der Gewinnung von Lithium fällt die Wärme als Abfallprodukt an.
In der Presse ist seit Jahren an vielen Stellen ganz unmissverständlich zu lesen, dass die Gewinnung von Lithium klar angestrebt wird:
Rheinpfalz, Golem.de, Zeitung für Kommunale Wirtschaft, Speyer-Info.de, Stadtwerke Speyer, electrive.de, ...
Die Aufsuchungserlaubnis für Lithium haben sich die Stadtwerke Speyer und Schifferstadt frühzeitig gesichert.
Darauf angesprochen wiederholt Herr Ortsbürgermeister Marohn den Text, der auch auf der FAQ-Seite der Geopfalz zu lesen ist, dass kommunale Unternehmen nur Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übernähmen und die Rohstoffgewinnung nicht dazu gehöre. Direkt im nächsten Satz weist die Geopfalz-FAQ allerdings darauf hin, dass hierfür ein privatwirtschaftlicher Partner eingebunden werden könne.
Was sagen die Akteure?
Gesellschafter der geopfalz GmbH & Co. KG sind die Stadtwerke Speyer GmbH, die Stadt Schifferstadt und die Regenerative Energien Neuhofen AöR .
Ralf Marohn, Ortsbürgermeister von Neuhofen
Schon in einem Artikel der RHEINPFALZ vom 10. Mai 2023 wird Herr Marohn damit zitiert, dass der Plan sei, wenn es um Geothermie gehe, dem Wasser die Wärme zu entziehen und das im Wasser befindliche Lithium zu entnehmen! Wärmeabnahme und Lithiumförderung könnten nach seiner damaligen Aussage ggf., wenn alles passe, 2026 beginnen.
Nur für RHEINPFALZ-Leser: Artikel vom Mai 2023
In einem weiteren Artikel der RHEINPFALZ vom 24. Mai 2024 zur Kommunalwahl weist Herr Marohn darauf hin, dass in Neuhofen Vulcan Energy tätig sei. Das Unternehmen sei nach deren Angaben vorrangig an Lithium aus Geothermie interessiert. Herr Marohn erklärte, er unterstütze dieses Projekt und würde sich freuen, wenn es in Neuhofen realisiert werden könne.
Nur für RHEINPFALZ-Leser: Artikel vom Mai 2024
Melanie Hieb, stellvertretende Vorsitzende der REN AöR
Im selben o.g. Artikel äußerte sich Melanie Hieb, heute stellvertretende Vorsitzende der REN AöR. Sie wies darauf hin, dass Neuhofen derzeit weder an ein Fernwärmenetz angeschlossen sei noch über Leitungen verfüge, die Fernwärme in die Häuser bringen könnten. Ohne diese Infrastruktur könne Neuhofen nicht von der Tiefengeothermie profitieren!
Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer
Oberbürgermeisterin Seiler ist zugleich Vorsitzende des Aufsichtsrats der Stadtwerke Speyer GmbH. Auf der Webseite der Stadtwerke Speyer betont sie, dass der Bedarf an Lithium riesig sei. Sie unterstreicht ausdrücklich die Wichtigkeit, das vorhandene Potenzial zu nutzen.
Ilona Volk, Bürgermeisterin der Stadt Schifferstadt
Auf derselben Webseite der Stadtwerke Speyer wird Bürgermeisterin Volk zitiert, dass sie ebenfalls von diesem Konzept überzeugt sei und sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit der beiden Stadtwerke.

Satellitenbild: Enthält modifizierte Copernicus Sentinel-Daten 2026
Die möglichen Risiken auf einen Blick
- Umweltbelastung im Naherholungsgebiet und an der Schlicht (Badesee)
- Lärmbelastung bei Tag und Nacht - während Bau und Betrieb
- Gefährdung des Grundwassers (z.B. bei Leckage / Bohrung und Betrieb)
- Gebäudeschäden und Risse an Ein-/Zwei-/Mehrfamilienhäusern durch Erdbeben
- Wertverlust von Immobilien im Umkreis um die Tiefengeothermie-Anlage
Wie häufig ähnliche Projekte bereits nicht nach Plan verliefen oder gar zu Störfällen und Schäden führten, sehen Sie hier.
Der SWR zitiert den Seismologen Prof. Stefan Wiemer damit, dass die Frage nicht laute, ob Geothermie riskant sei, sondern ob man dieses Risiko eingehen wolle: SWR-Bericht
Bei dem Projekt "Rhein-Pfalz" handelt sich um ein Pilot- und Forschungsprojekt (AGENS) welches aus Hauptbohrungen und mehreren Seitenbohrungen besteht. Ergebnisse können nicht sicher vorhergesehen sondern nur prognostiziert werden.
Die Geopfalz möchte laut eigenen Angaben (Stand 13.06.2026) hier Erkenntnisse gewinnen, die dann als "Blaupause" für zukünftige Projekte in ganz Europa dienen sollen: Geopfalz
