Auswirkungen auf Natur und Umwelt
Bei der Tiefengeothermie wird stark in die Umwelt eingegriffen. Nicht nur Seismizität kann hier eine Folge sein.
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Kurz zusammengefasst
Tiefe Geothermie wird häufig als klimafreundliche Energiequelle dargestellt. Vor Ort stellen sich aber auch ernste Umweltfragen. Diese betreffen nicht nur die Technik unter der Erde, sondern auch ganz konkrete Belastungen an der Oberfläche: Lärm, Licht, Verkehr, Wasser, Abfälle und mögliche Auswirkungen auf Natur und Lebensqualität.
Besonders wichtig sind drei Bereiche:
- Lärmentwicklung: Während Bau und Bohrung können Baumaschinen, Generatoren, Pumpen und Lkw-Verkehr erhebliche Belastungen verursachen. In der Bohrphase wird häufig rund um die Uhr gearbeitet. Im späteren Betrieb können gleichförmige Dauergeräusche hinzukommen, zum Beispiel durch Pumpen, technische Anlagen oder Kühlung.
- Lichtemission: Während Bau- und Bohrzeit muss das Gelände voraussichtlich auch nachts beleuchtet werden. Das kann Anwohner stören und die Tierwelt belasten. Viele Tiere sind auf Dunkelheit angewiesen: zur Jagd, zur Orientierung, zur Fortpflanzung oder zur Ruhe.
- Wasserverschmutzung und Umgang mit Thermalwasser: Tiefenwasser kann Salze, Schwermetalle, Arsen und natürliche radioaktive Stoffe enthalten. Die genaue Zusammensetzung ist erst nach Untersuchungen bekannt. Rückstände können als Schlämme oder Ablagerungen in Rohren, Pumpen und Anlagenteilen auftreten. Deshalb stellen sich Fragen nach Überwachung, Entsorgung, Leckagen, Grundwasserschutz und Verantwortung im Schadensfall.
Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Verkehr, Anlieferung, Abtransport, Betriebsstoffe und die Entsorgung von Rückständen.
Worum geht es?
Bei Tiefengeothermie wird heißes Wasser aus großer Tiefe gefördert, an der Oberfläche energetisch genutzt und anschließend wieder in den Untergrund zurückgeführt. In der Vorderpfalz ist dieses Thema seit Jahren umstritten. Bereits die rheinland-pfälzische Broschüre zur Mediation beschreibt den Konflikt deutlich: Für die einen steht Geothermie für saubere Energie, für andere für Sorgen wegen Lärm, Schadstoffen und Erdbeben.
Damit wird das Thema für viele Menschen vor Ort sehr konkret. Es geht nicht nur um Bohrtechnik, Energieerträge oder Genehmigungen. Es geht auch um den Alltag in der Gemeinde, um Ruhe, Natur, Grundwasser, Wohnqualität und das Vertrauen in langfristige Sicherheit.
Lärmentwicklung
Eine mögliche Lärmbelastung besteht nicht nur in einer einzelnen Projektphase. Sie kann während der Bauphase, während der eigentlichen Bohrung und später im Betrieb auftreten.
Beim Bau und bei der Erschließung des Bohrplatzes entstehen Geräusche vor allem durch Baumaschinen, Erdarbeiten, Anlieferungen und den Aufbau der technischen Infrastruktur. Für Anwohner bedeutet das: Ein bisher ruhiger Ortsrand, Feldweg oder Landschaftsbereich kann über längere Zeit zu einem Baustellenumfeld werden.
Während der Bohrphase wird in der Regel im Dauerbetrieb gearbeitet, also 24 Stunden am Tag. Für die Umgebung bedeutet das: Auch nachts können Geräusche auftreten. Gerade in der Nacht werden Maschinen, Motoren, Pumpen oder Warnsignale oft stärker wahrgenommen, weil die Umgebung sonst ruhiger ist.
Damit betrifft Lärm nicht nur das subjektive Wohlbefinden. Schlaf, Erholung und das Gefühl, zu Hause Ruhe zu finden, können beeinträchtigt werden. Auch die Tierwelt reagiert auf dauerhafte Störungen. Tiere, die in der Dämmerung oder nachts aktiv sind, können durch Geräusche, Vibrationen und menschliche Aktivität aus ihren gewohnten Lebensräumen verdrängt werden oder ihr Verhalten verändern.
Auch nach Abschluss der Bohrung können Geräusche entstehen. Im Dauerbetrieb einer Anlage können Pumpen, technische Aggregate oder Lüfter ein gleichförmiges Geräusch verursachen. Solche Geräusche werden nicht immer als besonders laut beschrieben. Sie können aber als störend empfunden werden, wenn sie dauerhaft auftreten und sich als Brummen oder tieffrequentes Geräusch über längere Zeit bemerkbar machen.
Ein zusätzlicher Punkt ist die Kühlung. Falls die Anlage nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugt, kann Kühlung erforderlich sein. Bei Thermalwassertemperaturen im Bereich von etwa 100 bis 130 Grad Celsius, wie sie für Neuhofen diskutiert werden, kann eine Stromerzeugung technisch interessant sein. Dann können Lüfter oder andere Kühlsysteme erforderlich werden. Diese können wiederum Geräusche verursachen, etwa ein dauerhaftes, tieffrequentes Betriebsgeräusch.
Wird die Anlage ausschließlich zur Wärmeerzeugung genutzt, kann der Kühlbedarf geringer oder nicht erforderlich sein. Für Bürger ist deshalb wichtig, frühzeitig zu wissen, welche Nutzung tatsächlich geplant ist: nur Wärme, Wärme und Strom oder zusätzlich weitere Nutzungen wie z. B. die Förderung von Lithium.
Auch der Verkehr gehört zur Lärmentwicklung. Lkw müssen Ausrüstung, Rohre, Betriebsstoffe und Baumaterial liefern. Später können Abfälle, Schlämme oder andere Rückstände abtransportiert werden. Dieser Verkehr ist nicht nur eine Frage der Lautstärke. Er betrifft auch Staub, Abgase, Straßenzustand, Verkehrssicherheit und die Belastung von Wohnstraßen oder Feldwegen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob ein technischer Grenzwert eingehalten wird. Wichtig ist auch, wie sich die Belastung im Alltag anfühlt: Was bedeutet ein zulässiger Wert, wenn ein gleichförmiges Brummen, Lüftergeräusche oder Verkehr dauerhaft wahrnehmbar sind?
Der Schutz vor Lärm wird unter anderem durch die "Technische Anleitung Lärm" geregelt. Dabei ist die Einstufung des Gebietes wichtig. Für reine Wohngebiete gelten strengere Werte als für allgemeine Wohngebiete. In ländlichen Siedlungsbereichen sind Gebiete jedoch häufig als allgemeine Wohngebiete eingestuft. Somit stellt sich die Frage, ob der rechtliche Schutz im konkreten Einzelfall auch dem tatsächlichen Ruhebedürfnis vor Ort entspricht.
Lichtemission
Neben Lärm kann auch Licht zu einer erheblichen Belastung werden. Während der Bau- und Bohrzeit muss ein Betriebsgelände in der Regel aus Sicherheitsgründen beleuchtet werden. Bei einer Bohrung im 24-Stunden-Betrieb bedeutet das: Auch nachts bleibt die Fläche sichtbar erhellt.
Für Anwohner kann das störend sein. Helles Licht, das in Wohnräume, Schlafzimmer, Gärten oder auf angrenzende Grundstücke fällt, kann die Nachtruhe beeinträchtigen. Manche Menschen können sich durch Rollläden, Vorhänge oder Fensterläden teilweise schützen. Doch dieser Schutz ist begrenzt. Er bedeutet auch, dass Menschen ihre Wohnsituation an eine technische Anlage anpassen müssen.
Licht ist aber nicht nur ein menschliches Thema. Für Natur und Tierwelt kann künstliche Beleuchtung besonders problematisch sein. Viele Tiere sind auf Dunkelheit angewiesen. Fledermäuse, Eulen, Igel, Füchse, Dachse und viele Insekten sind vor allem in der Dämmerung oder nachts aktiv. Auch Rehe meiden häufig stark beleuchtete und beunruhigte Bereiche.
Für diese Arten ist Dunkelheit kein Nebenaspekt, sondern Teil ihres Lebensraums. Sie benötigen sie zur Jagd, zur Orientierung, zur Fortpflanzung, zur Nahrungssuche oder zur ungestörten Ruhe. Wenn ein bislang dunkler Landschaftsbereich dauerhaft beleuchtet wird, kann sich das Verhalten der Tiere verändern.
Mögliche Folgen können sein: gestörtes Schlafverhalten, verändertes Fressverhalten, gestörtes Nist- oder Fortpflanzungsverhalten, Orientierungsschwierigkeiten oder Abwanderung aus dem betroffenen Bereich. Auch tagaktive Tiere wie viele Vogelarten brauchen Dunkelheit, um Ruhephasen einzuhalten.
Aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes wären deshalb konkrete Angaben wichtig: Wird nur dort beleuchtet, wo es aus Sicherheitsgründen notwendig ist? Wird das Licht nach unten gerichtet? Werden Lichtfarbe und Helligkeit begrenzt? Gibt es Abschirmungen gegen die Umgebung? Wird die Beleuchtung nach der Bohrphase reduziert? Bleibt das Gelände auch im späteren Dauerbetrieb nachts beleuchtet?
Gerade wenn ein Standort in oder nahe einem empfindlichen Landschaftsraum liegt, sind solche Fragen besonders wichtig. Licht verändert nicht nur die Sichtbarkeit einer Anlage. Es verändert auch die Qualität eines Lebensraums.
Wasserverschmutzung
Ein besonders sensibles Thema ist der Umgang mit Wasser. Bei Tiefengeothermie wird heißes Tiefenwasser aus großen Tiefen an die Oberfläche gefördert. Dieses Wasser unterscheidet sich deutlich von oberflächennahem Grundwasser. Es kann je nach geologischer Situation verschiedene gelöste Stoffe enthalten.
Die genaue Zusammensetzung des Tiefenwassers ist erst nach der Bohrung und nach entsprechenden Untersuchungen bekannt. Grundsätzlich können im Thermalwasser Salze, Schwermetalle, Arsen und radioaktive Stoffe vorkommen. Hierbei handelt es sich um natürlich vorkommende Radionuklide, die im Untergrund gelöst sein können.
Durch die Förderung des Thermalwassers gelangen solche Stoffe an die Oberfläche. Sie bleiben im regulären Betrieb zwar im technischen Kreislauf. Dennoch können sie in der Anlage selbst eine Rolle spielen. Radioaktive Stoffe oder andere Inhaltsstoffe können sich als Ablagerungen in Rohren, Pumpen und Anlagenteilen niederschlagen. Außerdem können belastete Schlämme entstehen.
Bei solchen Rückständen spricht man häufig von sogenannten NORM-Abfällen. NORM steht für „naturally occurring radioactive material“, also natürlich vorkommende radioaktive Materialien. Diese Abfälle müssen erkannt, überwacht und ordnungsgemäß entsorgt werden.
Daraus ergeben sich mehrere Fragen: Wo fallen solche Rückstände an? Wie häufig müssen Rohre, Filter, Pumpen oder andere Anlagenteile gereinigt werden? Wer misst die Belastung? Wo werden Schlämme zwischengelagert? Wie werden sie abtransportiert? Wer kontrolliert die Entsorgung? Werden Messergebnisse veröffentlicht?
Besonders wichtig ist der Schutz des oberflächennahen Grundwassers. Dieses Grundwasser ist für Menschen, Landwirtschaft, Natur und Trinkwasserversorgung von großer Bedeutung. Aktuelle Messdaten zeigen, dass das Wasser im Oberrheingraben bereits stark belastet ist. PFAS, Nitrate (aus Düngung) und Pestizide finden sich im Trinkwasser. Gelängen nun noch Salze oder andere Stoffe aus dem Tiefenwasser in das oberflächennahe Wasser so könnten diese unser Grundwsser chemisch verändern.
Fachlich wird davon ausgegangen, dass oberflächennahes Grundwasser und Tiefenwasser durch geologische Barrieren voneinander getrennt sind. Solche Barrieren sind weniger wasserdurchlässige Schichten, zum Beispiel Ton oder Feinsand.
Die Geothermieanlage durchbohrt diese Schichten jedoch, um das heiße Tiefenwasser zu erreichen. Deshalb spielt die technische Sicherung der Bohrung eine zentrale Rolle. Eine Tiefbohrung wird stufenweise erstellt. Mit jeder Stufe verringert sich der Durchmesser. Die Bohrung wird mit Rohren gesichert. Druckmessungen können Hinweise geben. Wenn ein Druckabfall auftritt, kann das ein Zeichen für eine Leckage sein. Zusätzlich können Messungen im oberflächennahen Wasser Veränderungen aufzeigen.
Besonders wichtig ist hierbei: Wird eine Undichtigkeit durch Druckabfall oder Messwerte erkannt, ist vielleicht bereits ein Schaden eingetreten. Die Förderung müsste gestoppt und der betroffene Bereich untersucht oder repariert werden. Doch wie schnell wird ein Leck erkannt? Wie groß wäre der betroffene Bereich? Könnte Thermalwasser in Schichten gelangen, die für die Trinkwasserversorgung relevant sind und diese kontaminieren?
Auch Korrosion ist ein Thema. Thermalwasser kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe technisch anspruchsvoll sein. Rohre, Pumpen und andere Anlagenteile müssen dauerhaft widerstandsfähig sein. Trotzdem muss die Überwachung von Alterung, Materialermüdung oder Korrosion über viele Betriebsjahre definiert werden.
Hinzu kommt, dass sich die Durchlässigkeit des Untergrunds verändern kann. Im Förderbereich wird heißes Wasser entnommen. Im Injektionsbereich wird abgekühltes Wasser wieder eingebracht. Dadurch können sich Druckverhältnisse, Fließwege oder die Durchlässigkeit des Aquifers verändern. Auch solche Veränderungen müssen beobachtet und bewertet werden.
Das bedeutet nicht, dass ein Schaden zwangsläufig eintritt. Es bedeutet aber, dass der Schutz des Wassers ein zentrales Thema bleiben muss. Für Bürger geht es nicht nur um technische Planungsunterlagen, sondern um nachvollziehbare Kontrolle über Jahrzehnte.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie wird sichergestellt, dass oberflächennahes Grundwasser, Trinkwasserinteressen und empfindliche Naturbereiche langfristig geschützt bleiben?
Quellen und weiterführende Links
Bundesamt für Strahlenschutz: Rückstände aus der tiefen Geothermie BfS-Seite öffnen
KONTEXT Wochenzeitung: „Trinkwasser im Oberrheingraben ist bereits belastet“ KONTEXT-Seite öffnen
Umweltbundesamt: Lärmwirkungen und Schutz der Nachtruhe UBA-Seite öffnen
BUND Schleswig-Holstein: Lichtverschmutzung – zu viel Licht für Mensch und Tier BUND-Seite öffnen
Ministerium Rheinland-Pfalz: „Tiefe Geothermie Vorderpfalz – Konfliktklärung durch Mediation“ PDF öffnen
Bundesverband Geothermie: FAQ Tiefe Geothermie FAQ öffnen
Interview mit einer betroffenenen Bürgerin
Frage: Frau Hillenbrand, was beschäftigt Sie beim Thema Tiefengeothermie und Umwelt am meisten?
Mich beschäftigt, dass immer sehr schnell von sauberer Energie gesprochen wird. Das klingt gut. Aber ich frage mich: Was passiert konkret hier vor Ort? Wir leben nicht auf einer Planungsskizze. Hier gibt es Menschen, Gärten, Felder, Tiere, Grundwasser und gewachsene Landschaft. Wenn eine Anlage gebaut wird, verändert sich dieser Ort.
Frage: Geht es Ihnen vor allem um die Bauphase?
Nicht nur. Die Bauphase ist natürlich auffällig: Maschinen, Lkw, Beleuchtung, Lärm. Aber mich interessiert auch, was danach bleibt. Gibt es dauerhaft Geräusche? Wird nachts beleuchtet? Werden regelmäßig Stoffe angeliefert oder abgefahren? Wird das Gelände versiegelt? Für mich ist wichtig, dass man nicht nur die erste Bauphase betrachtet, sondern den gesamten Betrieb über viele Jahre.
Frage: Welche Rolle spielt der Lärm?
Lärm wird oft technisch gemessen. Für Menschen ist es aber etwas sehr Persönliches. Wenn nachts ein Brummen zu hören ist oder ständig Fahrzeuge fahren, dann kann das den Alltag stark verändern. Man schläft schlechter, man fühlt sich nicht mehr richtig erholt. Und auch Tiere können nicht einfach sagen: Das ist mir zu laut. Sie weichen aus oder ändern ihr Verhalten.
Frage: Sie sprechen über Tiere. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Weil Natur nicht erst dann wichtig ist, wenn ein seltenes Tier gefunden wird. Auch ganz normale Arten brauchen Ruhe, Dunkelheit und Rückzugsräume. Alle Tiere sind auf die Nacht angewiesen. Wenn ein Gebiet dauerhaft hell ist, verändert sich ihr Lebensraum. Vielleicht sieht man das nicht sofort. Aber genau das macht mir Sorgen.
Frage: Was erwarten Sie beim Thema Licht?
Ich erwarte, dass Beleuchtung auf das absolut notwendige Maß begrenzt wird. Licht sollte nach unten gerichtet sein, zeitlich beschränkt werden und nicht unnötig in die Umgebung abstrahlen. Es darf nicht einfach heißen: Aus Sicherheitsgründen wird alles die ganze Nacht hell gemacht. Sicherheit ist wichtig. Aber Natur- und Anwohnerschutz sind es auch.
Frage: Beim Grundwasser verweisen Fachleute auf technische Schutzsysteme. Beruhigt Sie das?
Es ist gut, dass es Schutzsysteme gibt. Aber ich möchte verstehen, wie sie funktionieren und wer sie kontrolliert. Wenn Tiefenwasser Stoffe enthalten kann, die wir nicht im oberflächennahen Grundwasser haben wollen, dann muss sehr klar sein, was bei einer Undichtigkeit passiert. Mich beruhigt nicht allein die Aussage, dass überwacht wird. Ich möchte wissen, was im Ernstfall geschieht.
Frage: Was wäre aus Ihrer Sicht eine faire Bürgerinformation?
Eine faire Information würde nicht nur die Vorteile zeigen. Sie würde auch offen sagen, welche Unsicherheiten bestehen. Zum Beispiel: Welche Stoffe können im Thermalwasser vorkommen? Welche Abfälle entstehen? Wie oft wird gemessen? Wer bekommt die Messergebnisse? Wie werden Naturflächen geschützt? Und was passiert, wenn Grenzwerte oder Warnwerte auffällig werden?
Frage: Lehnen Sie das Projekt grundsätzlich ab?
Mir geht es nicht darum, pauschal gegen alles zu sein. Aber ich finde, wer ein solches Projekt plant, muss zuerst Vertrauen schaffen. Vertrauen entsteht nicht durch schöne Broschüren, sondern durch Transparenz, unabhängige Kontrolle und echte Beteiligung. Gerade beim Umwelt- und Naturschutz darf man nicht erst nach Problemen reagieren.
Frage: Was wünschen Sie sich für Neuhofen?
Ich wünsche mir, dass Neuhofen nicht den Eindruck vermittelt, dieses Projekt sei bereits alternativlos. Wärmeversorgung ist wichtig, keine Frage. Aber gerade deshalb sollte gründlich geprüft werden, ob es bessere, verträglichere Lösungen gibt. Und wenn überhaupt über Tiefengeothermie gesprochen wird, dann muss aus meiner Sicht mindestens ein Standort gesucht werden, der nicht in einem Landschaftsschutzgebiet liegt und nicht so nah an Wohnbebauung heranrückt. Eine Energieversorgung für die Zukunft darf nicht auf Kosten von Natur, Lebensqualität und Vertrauen vor Ort entstehen.
