Schreiben an den Gemeinderat vom 02.09.2026
Per Mail VOR der Abstimmung über die Bürgerbegehren
Betreff: 1.500 Unterschriften. Ihre Entscheidung am 8. September.
Da mir nicht die E-Mail-Adressen aller Mitglieder des Gemeinderats vorliegen, bitte ich die Fraktionsvorsitzenden, diese E-Mail an ihre Kolleginnen und Kollegen weiterzuleiten. Dieses Vorgehen wurde mir von Herrn Marohn ausdrücklich empfohlen, damit alle Mitglieder des Gemeinderates zuverlässig erreicht werden.
Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates,
gemeinsam mit 133 weiteren Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern (gesammelt innerhalb nur eines einzigen Tages!) sende ich Ihnen diesen Brief.
Am 8. September entscheiden Sie über die Zulässigkeit der drei Bürgerbegehren. Nach
den bislang öffentlich gewordenen Positionierungen entsteht der Eindruck, dass das
Ergebnis dieser Abstimmung bereits weitgehend feststeht.
Gerade deshalb wenden wir uns heute an Sie.
Denn bei dieser Entscheidung geht es nicht darum, ob einzelne Mitglieder des
Gemeinderates Tiefengeothermie persönlich befürworten oder ablehnen. Es geht
zunächst um die Frage, ob rund 1.500 Bürgerinnen und Bürger von Neuhofen die
Möglichkeit erhalten, über Entscheidungen von erheblicher und langfristiger Bedeutung
für ihre Gemeinde selbst abzustimmen.
Diese Unterschriften lassen sich nicht mit dem Hinweis auf Formalien beiseiteschieben.
Hinter ihnen stehen Bürgerinnen und Bürger, die angesichts der Tragweite dieses
Vorhabens eine unmittelbare demokratische Beteiligung verlangen.
Und dafür gibt es gewichtige Gründe.
Bis heute liegt keine Machbarkeitsstudie vor, die belastbar nachweist, dass das geplante
Wärmenetz in Neuhofen wirtschaftlich betrieben werden kann. Wesentliche Fragen zur
tatsächlichen Wärmeleistung, zu Kosten und wirtschaftlichen Risiken sind damit
weiterhin offen.
Gleichzeitig sind die Risiken tiefengeothermischer Projekte keine rein theoretischen
Fragestellungen. Induzierte Seismizität hat bei Geothermieprojekten bereits zu
spürbaren Erdbeben, Schäden, Leistungsreduzierungen und auch zur Einstellung von
Projekten geführt. Andere Projekte haben bereits gezeigt, dass vollmundige Zusagen vor
Projektbeginn und die spätere Realität erheblich auseinanderliegen können.
Auch kommunale Wärmenetze sind kein wirtschaftlicher Selbstläufer. Deutschlandweit
sind bereits zahlreiche Wärmeplanungen und Wärmenetzprojekte an fehlender
Wirtschaftlichkeit, explodierenden Kosten oder nicht tragfähigen Rahmenbedingungen
gescheitert. In Neuhofen kommt hinzu, dass die tatsächliche Leistungsfähigkeit der
geothermischen Quelle erst durch die Bohrungen festgestellt werden kann und der
wesentliche Teil der erzeugten Wärme für Speyer vorgesehen ist. Damit ist derzeit weder
die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Neuhofener Wärmenetzes belastbar
nachgewiesen noch geklärt, welcher konkrete wirtschaftliche und energetische Nutzen
für Neuhofen selbst überhaupt verbleibt.
Hinzu kommen offene Fragen zu Grundwasserschutz, Schadensvorsorge und
Schadensregulierung, induzierter Seismizität, Beweissicherung von Gebäuden,
langfristigen finanziellen Verpflichtungen sowie zu den tatsächlichen Belastungen für
Anwohner, Eigentümer, Natur und Landschaft.
Dabei ist auch die bisherige Entwicklung des Projektes zu berücksichtigen. Mit der
Gründung beziehungsweise Einbindung kommunaler Strukturen, der Sicherung von
Grundstücken und weiteren vorbereitenden Schritten wurden bereits Tatsachen
geschaffen und Weichen gestellt, lange bevor wesentliche Fragen für die Öffentlichkeit
abschließend beantwortet waren.
Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig überzeugend, nun so zu tun, als befände
sich Neuhofen noch am Anfang einer vollkommen offenen und ergebnisneutralen
Abwägung.
Genau deshalb sind die Bürgerbegehren entstanden.
Sie sind kein Störfaktor eines bereits eingeschlagenen politischen Weges. Sie sind die
Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung darauf, dass Entscheidungen mit
jahrzehntelangen Folgen getroffen beziehungsweise vorbereitet werden, obwohl zentrale
Voraussetzungen und Konsequenzen weiterhin nicht abschließend geklärt sind.
Am 8. September entscheiden Sie daher nicht darüber, ob Sie persönlich
Tiefengeothermie gut oder schlecht finden.
Sie entscheiden darüber, ob die Bürgerinnen und Bürger von Neuhofen bei diesen
weitreichenden Fragen selbst mitentscheiden dürfen.
Sollte der Gemeinderat die drei Bürgerbegehren geschlossen zurückweisen, obwohl
rund 1.500 Menschen mit ihrer Unterschrift eine unmittelbare Beteiligung eingefordert
haben, wird sich der Gemeinderat auch die Frage gefallen lassen müssen, welches
Verständnis von Bürgerbeteiligung dahintersteht.
Eine Bürgerbeteiligung ist nur dann etwas wert, wenn sie auch dann zugelassen wird,
wenn ihr Ergebnis politisch unbequem sein könnte.
Deshalb appellieren wir nicht allgemein an Ihr „gutes Gewissen“ und stellen Ihnen auch
keine Fragen, deren Antworten seit Monaten diskutiert werden.
Wir fordern Sie auf, die Bedeutung dieser rund 1.500 Unterschriften ernst zu
nehmen und den Bürgerinnen und Bürgern von Neuhofen die Entscheidung nicht
aus der Hand zu nehmen.
Wer überzeugt ist, dass das geplante Projekt für Neuhofen richtig, sicher und
wirtschaftlich tragfähig ist, sollte eine Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger nicht
fürchten.
Und wer am 8. September gegen die Zulässigkeit der Bürgerbegehren stimmt, sollte den
Menschen in Neuhofen anschließend auch klar erklären können, warum ihre
Unterschriften und ihr ausdrücklich erklärter Wunsch nach unmittelbarer
Mitentscheidung nicht zu einer Abstimmung führen sollen.
Die Verantwortung für diese Entscheidung liegt am 8. September bei Ihnen – und
ebenso die Verantwortung für das politische Signal, das Sie damit an die
Bevölkerung senden.
Mit freundlichen Grüßen
